Atomkraft abschalten, Erneuerbare anschalten

Der erste Teil der Übrschrift ist eben wieder in aller Munde. Er klingt zackig und energisch, aber die große Energiewende ist, selbst wenn diese Forderung ohne jedes Zögern umgesetzt würde, leider nicht zu schaffen. Es ist ähnlich wie bei einer Bahnreise: wichtig ist beim Umsteigen nicht, aus welchem Zug ich aussteige, sondern in welchen ich als nächstes einsteigen muss, um weiter zu kommen. Wenn das Ziel tatsächlich Strom zu 100% aus Erneuerbaren Energien ist, wie inzwischen selbst die aktuelle schwarz-gelbe Bundeseregierung zumindest postuliert (und nicht 40%, wie ihr SPIEGEL online unterstellt), dann heißt dieser Zug „Dezentrale Umwandlung Solarer Energie in Strom“. Auf welchem Gleis er abfährt, ist dabei irrelevant.

Aber davon ist auf den aktuellen Demonstrationen und Mahnwachen fast nichts zu vernehmen. Am Rande wird zwar darauf hingewiesen, wie bedeutend doch der Wechsel zu einem Anbieter von Ökostrom sei. Aber dass der Ausbau dezentraler Anlagen, die Sonnenenergie (also auch Wind- und Wasserkraft) in Strom umwandeln, mit den bewährten Anreizen des EEG beschleunigt oder zumindest nicht gebremst werden muss, schwingt nur implizit mit. Traut sich das nach der permanenten Hetzkampagne, das alles sei „überfördert“ durch die Verbraucher unglaublich belastenden „Subventionen“, niemand mehr einzufordern? War die grüngespülte Dumm-Dumm-Propaganda der atomaren Schleppenträger also erfolgreich?

Jedenfalls nutzen deren Lobbysöldner diese Nachlässigkeit, um die weitere Förderung Erneuerbarer Energien nach ihren Vorstellungen zu „entwickeln“. Die großen Offshore-Anlagen, bei denen neben Fundamenten für Turbinentürme vor allem Milliarden an besagten „Subventionen“ ins Meer versenkt werden, sollen uns die letzten Schritte ins Energieparadies der Zukunft tragen. Uns alle? Nein, vor allem die alltbekannte Clique der Atom- und Fossilkrämer, die in Sachen Milliardengräber in den letzten 60 Jahren einfach einen uneinholbaren Kompetenzvorsprung herausgelaufen hat, will auf diese Weise weitermachen wie bisher, nur mit grünem Anstrich. Und ich traue mich zu wetten, dass sie bereits einen Weg gefunden und die entsprechenden deals abgeschlossen hat, aus der langsam auch für sie unrentabel werdenden Atomenergienutzung auszusteigen und die Allgemeinheit dafür blechen zu lassen. Nach der Logik: „IHR wolltet ja den Ausstieg, dann sollt IHR uns auch dafür bezahlen, dass wir für euch aussteigen.“ Leise mitgedacht: Wir wären zwar ohnehin von uns aus ausgestiegen, aber das muss ja keiner wissen.

Das klingt verdächtig nach Verschwörungstheorie, ich weiß. Aber welche Verschwörungstheorie in Sachen Energiekartelle hat sich nicht später als zutreffend herausgestellt?

Also bei der nächsten Demo klar machen: Atomkraft abschalten! Erneuerbare anschalten! Verstand einsetzen!

Und nicht vergessen – mit Sonnen-, Wind- und Wasserkraft passiert so etwas wie gerade in Japan nicht. Weder solch ein GAU, noch die Blackouts, die er im Schlepptau hat. Bedingung hierfür aber: dezentral muss die Energieversorgung sein, kleinteilig und überall.


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Über pseudoruprecht

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