Die Revolution der Revolution

Ein Geschichtslehrer meiner Gymnasialzeit hat immer, wenn es um Revolutionen ging, eine Handbewegung vollführt, die mir bis heute den Kern einer Revolution in Erinnerung ruft. Der Daumen rausgestreckt, die Finger eingerollt, wie die Anhalter, die an der Ortsausfahrt an der Bundesstraße stehen. Dann fuchtelte er mit der Hand: Daumen oben – Daumen unten, Daumen unten – Daumen oben. Was oben ist, muss nach unten; was unten ist, will hinauf. Revolution.

Als „Revolution“ bezeichnet die Regierung ihr Energiekonzept vom Oktober 2010. Dass Revolution aber nicht die Sache einer konservativen Volkspartei ist, sollte eigentlich einleuchten. Christlich ist sie nicht (was im Interesse unserer Jüngsten auch besser ist), demokratisch – nun ja, und an der Einigkeit lässt sich auch zweifeln. Aber konservativ – definitiv. Zu Revolutionen passt das nicht, auch nicht, wenn man es einfach so behauptet. Aber auch konservativ ist sie eigentlich nicht, nur struktur- und systemkonservativ. Das wirklich Bewahrenswerte setzt sie aufs Spiel. Einfach Schraubenschlüssel dazwischenhalten und dann von Hand die Masseanteile langsam zusammenführen. Und am Ende ist es dann ein INES 4. Diese bodenständig Herangehensweise übertragen wir dann gleich noch auf den Umgang mit der aktuellen Klimakatastrophe, und fertig ist der Generationen-GAU.

Aber da war doch noch wer, der die „Revolution“ mit auf den Weg brachte? Ach ja, die sog. Freiheitlichen. Natürlich liegt auch ihnen daran, einen Wandel der Energiewirtschaft in Richtung dezentrale Selbstversorgung vor Ort, ja, beim einzelnen Bürger, möglichst einzudämmen. Denn zu vertreten, was man im Namen trägt, ist out. Schaukelstuhlpolitik ist, über 100 Jahre nach Bismarck, wieder in. Da ist dann zumindest die Bewegung aus dem Geschichtsunterricht als matter Abglanz wieder da. Vor – zurück, zurück – vor. Revolution?

Wie äußern sich dazu die Berater der Bundesregierung in Sachen Umweltfragen heute?

„Das, was die Bundesregierung im Moment in der Energiepolitik tue, gehe ‚komplett in die falsche Richtung‘.

Gehört werden sie wohl wieder nicht, dazu gehen sie einfach zu selten mit der GröPhaZ (Größten Physikerin aller Zeiten) einen Heben. Der Daumen bleibt, wo er ist. Und die Energiewirtschaft macht es sich im Vorgestern gemütlich.


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Über pseudoruprecht

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