Fragen zur Energiewende I

Es gibt ein paar Fragen zur sogenannten Energiewende, die ich mir selbst nicht beantworten kann, daher stelle ich sie hier allgemein, in der Hoffnung, dass jemand beispringt.

Heute zum geforderten Ausbau des Stromnetzes.

Es wird behauptet, um den Strom von den (vorgesehenen) (Mega-)Windparks an der Küste im Norden zu den großen Industriezentren im Süden zu bringen, bräuchte es neue Magistralen, die wegen der langwierigen Genehmigungsverfahren aber nicht schnell genug gebaut werden könnten. Interessant ist hier, dass der Norden mit seinen Windparks als ein großes „Kraftwerk“ gedacht wird, das für seine Kunden im Süden Strom produziert. Vielleicht ist diese Annahme bereits falsch?

Meine Frage jedenfalls: Es gibt ja bereits jetzt Stromabnehmer im Norden, die so bedeutend zu sein scheinen, dass es sich lohnt, extra für sie Atomreaktoren zu betreiben (Brunsbüttel, Brokdorf, Unterweser, Krümmel mit insgesamt 5.000 MW Leistung). Die schicken ihren Strom – so nehme ich an – nicht ins Nichts, sind also mit Leitungen ausreichender Kapazität mit ihren Abnehmern verkabelt, wo immer die sitzen (Hamburg, Bremen, vielleicht auch Berlin und das Ruhrgebiet). Gibt es hier wirklich keine Verbindung nach Süden? Bei der Häufigkeit, mit der solche Reaktoren stillstehen, kann ich mir kaum vorstellen, dass da nicht Leitungen für den Fall der Fälle nach Süden verlaufen. Oder sind die nur für Atomstrom geeignet?

Apropos Berlin: Rund um Berlin findet sich kein Atommeiler in Betrieb. Woher aber kommt der Strom für Berlin? Ich vermute, auch aus den großen Kraftwerken im Westen? Oder tatsächlich nur aus den Kohlekraftwerken im Umland oder direkt vor Ort? Kann man hier Leitungen von extern nicht auch in die andere Richtung nutzen, also von den Windparks in Brandenburg nach Westen (und dann weiter nach Süden)?

Das sind alles Fragen nach Details. Die große Frage: Ändert sich an den benötigten Leitungskapazitäten (bei deren Berechnung wohl davon ausgegangen wird, dass die Atomkraftwerke parallel weiter betrieben werden) etwas, wenn man die Vorausberechnung mit dem Bestandsnetz vornimmt, aber ohne die aktuelle Einspeisung durch die AKW?

Und die letzte Frage für heute: Von wem stammen die Berechnungen? Von denselben, die behaupten, Atomkraft sei billig, nachhaltig und sicher? Oder gibt es die auch von etwas neutralerer Seite bestätigt oder widerlegt?

Update 15.11.2010: Ein Artikel auf klimaretter.info klärt einige meiner Fragen. Perfektes timing!

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Über pseudoruprecht

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2 Antworten zu Fragen zur Energiewende I

  1. Martin schreibt:

    Hallo, ich find’s gut, dass hier mal diese wichtigen Fragen angesprochen werden. Antworten habe ich zur Zeit keine, aber an Antworten bin ich immer interessiert. Ein paar nähere Informationen über den Strom aus Berlin gibt es aber hier.

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