Die Energiewende ist ein Systemwechsel oder sie ist keine Energiewende

Wenn wir aktuell von Energiewende hören, denken wir immer öfter auch an Offshore-Windparks oder gigantische Photovoltaikanlagen (Stichwort: Desertec) und glauben, das sei gut gedacht. Ist es aber nicht. Das aber ist noch keine Energiewende, denn Strom bleibt Strom, egal, wie er erzeugt wurde. Denken wir an Windräder bei Bauer Claasen hinterm Haus, Photovoltaikanlagen bei Schmidts auf der Dachschräge und Kraft-Wärme-Kopplung im Keller der Grundschule, kommen wir der Energiewende schon näher. Denn die eigentliche Energiewende ist nicht der Wechsel von atomaren oder fossilen zu regenerativen Energieträgern. Die eigentliche Energiewende wäre eine solche weg von einigen wenigen großen Kraftwerken und Anbietern hin zu vielen kleinen Produzenten, die an allen Enden des Netzes Strom einspeisen. Es ist ein grundlegender Systemwechsel, was sich daran zeigt, dass immer mehr von den kleinen Stromproduzenten nicht an das Netz angeschlossen werden können (so behaupten zumindest die Netzbetreiber). Und wie jeder Systemwechsel wird auch dieser von denen, die am meisten davon profitieren würden, dass sich das System eben nicht ändert, behindert.

Hier kommen die Brückentechnologien ins Spiel. Wir bräuchten unbedingt Strom aus Atommeilern, wird behauptet. Doch was heißt da „wir“? Die Stromanbieter alter Schule, das Oligopol, braucht diese Brücke. Denn sie müssen Zeit gewinnen, um auch nach der Energiewende (die dann gar keine ist) wieder als Oligopol funktionieren zu können. Daher die plötzliche Begeisterung für Offshore-Megawindparks und andere Großveranstaltungen. Die funktionieren nämlich – rein zufällig – wieder wie ein großes Kraftwerk, sowohl was den Netzzugang betrifft als auch, was die höhe der Investitionen angeht. Aber solche Projekte benötigen auch mehr Zeit, bevor sie gebaut werden können. Und diese Zeit über muss man das bestehende Netz soweit möglich unverändert lassen. Wo das als Barriere gegen unliebsames Stromeinspeisergeschmeiß nicht genügt, muss man es mit im Oligopol produziertem Strom verstopfen. Atomstrom beispielsweise. Sind die regenerativen Megakraftwerke dann fertig, kann das Oligopol alte konventionelle Kraftwerke abschalten und nahtlos die neuen Großkraftwerke ans Netz bringen.

Die Energieversorgung ist dann zwar schön regenerativ, aber immer noch ein Oligopol. Regenerativ sind so dann vor allem die Gewinne der Handvoll Großkonzerne, die weiterhin das gros an Kraftwerksleistung betreiben.

Eine Energiewende, die diesen Namen verdient, müsste letztendlich zu einem „Internet für Strom“ führen. Alles andere verdient diesen Namen nur in Regierungserklärungen und der Hochglanz-PR althergebrachter Energieriesen.

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Über pseudoruprecht

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