Atomkraft nun doch verfassungswidrig

Dass Atomkraft das Recht auf körperliche Unversehrtheit (Artikel 2, Abs. 2 GG) ernsthaft und nachhaltig gefährdet, zeigt sich in Japan eben wieder einmal recht deutlich. (In diesem Sinn verdient sie das Beiwort nachhaltig. Sonst in nichts.)

Aber auch ein Gutachten der Universität Rostock kommt zu diesem Schluss. Damit würde die Bundesregierung bei Weiterbetrieb der Atommeiler in Deutschland also gegen die Verfassung verstoßen.

Aber das würde die Regierung doch nicht tun. Niemals.


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Atomkraft abschalten, Erneuerbare anschalten

Der erste Teil der Übrschrift ist eben wieder in aller Munde. Er klingt zackig und energisch, aber die große Energiewende ist, selbst wenn diese Forderung ohne jedes Zögern umgesetzt würde, leider nicht zu schaffen. Es ist ähnlich wie bei einer Bahnreise: wichtig ist beim Umsteigen nicht, aus welchem Zug ich aussteige, sondern in welchen ich als nächstes einsteigen muss, um weiter zu kommen. Wenn das Ziel tatsächlich Strom zu 100% aus Erneuerbaren Energien ist, wie inzwischen selbst die aktuelle schwarz-gelbe Bundeseregierung zumindest postuliert (und nicht 40%, wie ihr SPIEGEL online unterstellt), dann heißt dieser Zug „Dezentrale Umwandlung Solarer Energie in Strom“. Auf welchem Gleis er abfährt, ist dabei irrelevant.

Aber davon ist auf den aktuellen Demonstrationen und Mahnwachen fast nichts zu vernehmen. Am Rande wird zwar darauf hingewiesen, wie bedeutend doch der Wechsel zu einem Anbieter von Ökostrom sei. Aber dass der Ausbau dezentraler Anlagen, die Sonnenenergie (also auch Wind- und Wasserkraft) in Strom umwandeln, mit den bewährten Anreizen des EEG beschleunigt oder zumindest nicht gebremst werden muss, schwingt nur implizit mit. Traut sich das nach der permanenten Hetzkampagne, das alles sei „überfördert“ durch die Verbraucher unglaublich belastenden „Subventionen“, niemand mehr einzufordern? War die grüngespülte Dumm-Dumm-Propaganda der atomaren Schleppenträger also erfolgreich?

Jedenfalls nutzen deren Lobbysöldner diese Nachlässigkeit, um die weitere Förderung Erneuerbarer Energien nach ihren Vorstellungen zu „entwickeln“. Die großen Offshore-Anlagen, bei denen neben Fundamenten für Turbinentürme vor allem Milliarden an besagten „Subventionen“ ins Meer versenkt werden, sollen uns die letzten Schritte ins Energieparadies der Zukunft tragen. Uns alle? Nein, vor allem die alltbekannte Clique der Atom- und Fossilkrämer, die in Sachen Milliardengräber in den letzten 60 Jahren einfach einen uneinholbaren Kompetenzvorsprung herausgelaufen hat, will auf diese Weise weitermachen wie bisher, nur mit grünem Anstrich. Und ich traue mich zu wetten, dass sie bereits einen Weg gefunden und die entsprechenden deals abgeschlossen hat, aus der langsam auch für sie unrentabel werdenden Atomenergienutzung auszusteigen und die Allgemeinheit dafür blechen zu lassen. Nach der Logik: „IHR wolltet ja den Ausstieg, dann sollt IHR uns auch dafür bezahlen, dass wir für euch aussteigen.“ Leise mitgedacht: Wir wären zwar ohnehin von uns aus ausgestiegen, aber das muss ja keiner wissen.

Das klingt verdächtig nach Verschwörungstheorie, ich weiß. Aber welche Verschwörungstheorie in Sachen Energiekartelle hat sich nicht später als zutreffend herausgestellt?

Also bei der nächsten Demo klar machen: Atomkraft abschalten! Erneuerbare anschalten! Verstand einsetzen!

Und nicht vergessen – mit Sonnen-, Wind- und Wasserkraft passiert so etwas wie gerade in Japan nicht. Weder solch ein GAU, noch die Blackouts, die er im Schlepptau hat. Bedingung hierfür aber: dezentral muss die Energieversorgung sein, kleinteilig und überall.


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Die Revolution der Revolution

Ein Geschichtslehrer meiner Gymnasialzeit hat immer, wenn es um Revolutionen ging, eine Handbewegung vollführt, die mir bis heute den Kern einer Revolution in Erinnerung ruft. Der Daumen rausgestreckt, die Finger eingerollt, wie die Anhalter, die an der Ortsausfahrt an der Bundesstraße stehen. Dann fuchtelte er mit der Hand: Daumen oben – Daumen unten, Daumen unten – Daumen oben. Was oben ist, muss nach unten; was unten ist, will hinauf. Revolution.

Als „Revolution“ bezeichnet die Regierung ihr Energiekonzept vom Oktober 2010. Dass Revolution aber nicht die Sache einer konservativen Volkspartei ist, sollte eigentlich einleuchten. Christlich ist sie nicht (was im Interesse unserer Jüngsten auch besser ist), demokratisch – nun ja, und an der Einigkeit lässt sich auch zweifeln. Aber konservativ – definitiv. Zu Revolutionen passt das nicht, auch nicht, wenn man es einfach so behauptet. Aber auch konservativ ist sie eigentlich nicht, nur struktur- und systemkonservativ. Das wirklich Bewahrenswerte setzt sie aufs Spiel. Einfach Schraubenschlüssel dazwischenhalten und dann von Hand die Masseanteile langsam zusammenführen. Und am Ende ist es dann ein INES 4. Diese bodenständig Herangehensweise übertragen wir dann gleich noch auf den Umgang mit der aktuellen Klimakatastrophe, und fertig ist der Generationen-GAU.

Aber da war doch noch wer, der die „Revolution“ mit auf den Weg brachte? Ach ja, die sog. Freiheitlichen. Natürlich liegt auch ihnen daran, einen Wandel der Energiewirtschaft in Richtung dezentrale Selbstversorgung vor Ort, ja, beim einzelnen Bürger, möglichst einzudämmen. Denn zu vertreten, was man im Namen trägt, ist out. Schaukelstuhlpolitik ist, über 100 Jahre nach Bismarck, wieder in. Da ist dann zumindest die Bewegung aus dem Geschichtsunterricht als matter Abglanz wieder da. Vor – zurück, zurück – vor. Revolution?

Wie äußern sich dazu die Berater der Bundesregierung in Sachen Umweltfragen heute?

„Das, was die Bundesregierung im Moment in der Energiepolitik tue, gehe ‚komplett in die falsche Richtung‘.

Gehört werden sie wohl wieder nicht, dazu gehen sie einfach zu selten mit der GröPhaZ (Größten Physikerin aller Zeiten) einen Heben. Der Daumen bleibt, wo er ist. Und die Energiewirtschaft macht es sich im Vorgestern gemütlich.


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Klimawandel aus Sicht dogmatischer Ökonomen

Die Klimakatastrophe fordert schnellstmögliches Handeln. Da alles Handeln zugleich writschaftliches Handeln ist, wird an den Maßnahmen, die den Klimawandel mildern oder abwandeln sollen, unweigerlich verdient werden. Wegen der Dringlichkeit der Maßnahmen kommt es hierbei jedoch zu unerwünschten Mitnahmeeffekten, die bestehende organisch gewachsene Marktstrukturen – wie etwa Monopole – stören oder nachhaltig gefährden können. Dies ist im Interesse der Investitions- und Marktnachhaltigkeit einzudämmen.
Marktverzerrende Instrumente, wie etwa das EEG, sind daher umgehend abzulegen. Der Zweck des Gesetzes mag noch so sehr gesellschaftlicher oder parlamentarischer Konsens sein. Das Gesetz selbst widerspricht den Interessen einer gesunden Marktwirtschaft. Es ist daher durch gezielte Aufklärungsarbeit die parlamentarische und öffentliche Meinungsbildung dahingehend zu korrigieren, dass der Fokus vom Zweck des Gesetzes weg auf die durch es kurzfristig ausgelösten Verwerfungen gelenkt wird. Diese sind mit rhetorischer Unerbittlichkeit herauszustreichen. Der Bezug zwischen dem Gesetz und der Klimakatastrophe – für die das EEG im Kern ja als Gegenmaßnahme ausgerichtet ist – muss aufgelöst werden.
Wir bauen für diese Korrektur der öffentlichen und parlamentarischen Meinung auf die Kräfte des Marktes und seine handelnden unternehmerischen Individuen.


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Hinterzimmergespräche sind genauso kacke, wenn man selbst dazu eingeladen wird

Jaja, der Rötti. Hat sich gedacht, er lädt mal fix seine Spezln vom Bundesverband Solarwirtschaft zum Hinterzimmergemauschel, stellt dann das Ergebnis vor und alle schreien Juchu. Manche Flachköpfe tun das auch – so ziemlich alle Tageszeitungen, um genau zu sein. Sogar die taz. Schade eigentlich, aber die Menschen dort sind eben auch nur Journalisten. Es bringt aber leider nichts, Agenturmeldungen so aufzudonnern, dass sie wie selbt recherchiert aussehen. Eher schneidet man sich so ins eigene Fleisch, denn derart aufgesetzte eigene Recherche auf dem Niveau der erstbesten Agenturmeldung sieht dann eben aus wie schlecht recherchiert. Und so will doch niemand dastehen, mal ehrlich.

Nur als Referenz dafür, dass bei dem ausgehandelten Kompromissvorschlag doch nicht „alle Beteiligten“, nicht eimal „die Industrie“, mitgehen (und gleichzeitig als Beleg, was die Feierabendjournalisten mit 10min Feierabendrecherche so alles an weiteren Meinungen, hätte auftreiben können):

Wenn man im Verteiler der Pressemitteilungen steht, kann man sich die Recherche übrigens sparen.

Abschließend angemerkt: Warum werden zu den Gesprächen, die auch allgemeine Punkte des EEG betreffen (Grünstromprivileg), eigentlich nur Vertreter von einem einzigen Fachverband eingeladen? Gab es nicht genug Stühle für mehr Leute? Hat man dem Cateringdienstleister in der Nacht vorher das Geschirr gestohlen? Doch vielleicht war es besser so, zuletzt hätte sich gar – Gott bewahre! – noch eine Diskussion zu dem ein oder anderen Punkt ergeben.


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Ein Mal das geringere Übel, bitte

Das EEG wird also abgeschafft. Da diese Information vom Hofberichterstatter der konventionellen Energiewirtschaft und der ihr hörigen Hobbyphysikerin gestreut wird (Verivox), ist vermutlich etwas dran. Das wäre wirklich saudumm, weil undemokratisch. Aber anders ist es von saudummen Undemokraten auch nicht zu erwarten gewesen.

Die Meldung ist nebenbei ein Paradebeispiel für alle Lügen und Halbwahrheiten, die mit der großen Propagandaschleuder der letzten Monate über Deutschland ausgeschissen wurden. Die Mär von der preistreibenden EEG-Umlage ist da, der Anwalt mit seiner privaten Photovoltaikanlage auf dem Dach darf auch schnell zwischen den Zeilen durchgrinsen und dass Solarstrom ohnehin völlig unnütz ist, da zu teuer, habe ich so glaube ich auch schon einmal irgendwo gelesen. Wenn ich es grade richtig erinnere in so ziemlich jeder Zeile Berichterstattung, seit die Großen Vier bei der Presse dick einkaufen waren. Denn auch in Deutschland kann man die Presse bekanntlich nicht nur am Kiosk kaufen.

Ich sage macht doch! Ihr wollt den leichten Weg, das Altbewährte, das vermeintlich geringere Übel. Und ich wünsche es euch ja auch von ganzem Herzen, das im Vergleich zum jetzt sicher kommenden Demokratie- und Klimaabsturz geringere Übel – einen Super-GAU in einem Atomkraftwerk auf deutschem Boden. Und bitte bald. Vielleicht klappt es ja wie damals mit der UdSSR, dann hätte in ein paar Jahren der ganze planwirtschaftliche Spuk fürs Erste ein Ende. Verdient habt ihr es euch redlich, durch Dummheit, durch autokratisches Fürstengehabe. Pfui Deibel!


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Erneuerbare Energien so fördern, dass die überkommene Energiewirtschaft profitiert

Aus einer Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums, Röttgen baut Forschungsförderung für erneuerbare Energien weiter aus:

„Unter den 184 neuen Projekten sind Projekte der Windenergieforschung, vor allem auf See […]“

Da werden sich die Großprojektierer vom Dienst mit ihren Mega-Offshore-Windparks aber freuen!


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„Scribus 1.3.5: Beginner’s Guide“ (Packt Publishing) – a review

(Full disclosure: Packt Publishing contacted me if I would write a review on this title and offered me a free e-book in return. I agreed, but would have written this review anyway.)

Just before christmas, I got my hands on the eBook edition of „Scribus 1.3.5: Beginner’s Guide“ from Packt Publishing. Being a long-term user of LaTeX, I had planned to explore new terrain in the land of desktop publishing for quite some time. But only when there came along a project that didn’t fit with LaTeX did I seriously check out what’s available when it comes to documentation on Scribus. Of course there’s the official Wiki and Scribus is briefly mentioned in many introductory titles on GNU/Linux or FLOSS in general. But when it comes to dedicated titles that handle Scribus in-depth there’s not much of a choice right now.

Packt added to this small selection with their title which saw the light of day in December 2010. I always liked the broad variety of their portfolio and wanted to check on their promise of no-nonsense, straight to the facts guides for advanced and specific subjects. In review, „Scribus 1.3.5: Beginner’s Guide“ definitely delivers on that promise.

The two first chapters, which bring you up to speed in a few pages, are quite general. First, you get some basic knowledge on the workflow of desktop publishing and gephical layout tools. Some pitfalls of professional printing are hinted at. Next, the interface of Scribus is explained in a glance (I always find those chapters quite dull). With Chapter 2 the book cuts to the chase. You create a simple businesscard layout following a step-by-step tutorial that merely tells you to do things without too much explanation as to the why and what of many features and concepts used. If the task at hand that forced you to read up on Scribus happens to be a business card (like it was in my case) you profit from the book already. If your demands towards Scribus are more advanced, rest assured that this first tutorial pushed you on most of the basic concepts. At least that’s what I realized after working through the rest of the book. Quite smart.

The remaining chapters are a mixture of small mini-tutorials that introduce you to just one or two small features on the one hand and tricks and best practices from an obviously quite Scribus-savvy author on the other hand. But beware that there’s a noticeable progression, i.e. many of those small tutorials refer to and use skills that are trained/explained earlier in the book. You don’t always get page references, but the index at the end is detailed enough to find your way around. And after working with the book for some time you develop a feel for where things are.

Which is one main point to mention: you have to work with this book. It’s not something you just read, with exercises attached at the end of chapters. This is one big exercise! Of course there’s the more explanatory section here and there. But those felt more like the exception to me. The norm is concise instructions which you better follow right along and then take a minute or to to reflect on what you just did. I really liked that, made me feel less stupid.

Sounds all good, doesn’t it? But there’s one big catch. The – how should I call it? – „variant“ of english used in the book is at times very hard to read. It’s not what you know from school or daily conversation. Not even what you stumble on in blogs and the like. It’s more like what you used to get from Babel Fish. The most prominent example is the use of „to validate“. It doesn’t mean „to check for errors; to make sure something is correct“ like you might think but is used for the trivial act of clicking a „Confirm“ of „OK“ button instead. So „to validate“ == „to confirm“. After the 10th or so time I deemed it a running gag, but per se the constant fuzzy use of phrases and collocations is not funny at all. Proofreading can make quite some difference. As far as content is concerned the publisher seems to have done their job. When it comes to grammar – not so much. All other weaknesses I booked as „nobody’s perfect“ and didn’t take notes on.

So, if you want a hands-on, straight to the facts manual for Scribus, this might be the book for you (it was for me). But expect a bumpy ride on the grammar side. It’s not always written in plain English…

Scribus 1.3.5: Beginner’s Guide by Cedric Gemy, Packt Publishing, 1st edition December 2010, 248 pages, ISBN 1849513007


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Wie die Laufzeitverlängerung für Atommeiler als Begründung für die Laufzeitverlängerung dient

Warum ist die Laufzeitverlängerung für Atommeiler eine tolle Idee? Weil die Laufzeiten verlängert wurden. So wird – wenn man es genau betrachtet – im Moment argumentiert. Einige kritische Stimmen haben den Braten schon gerochen und monieren, dass der (überflüssige) Atomstrom die Netze „verstopft“. Aber das stinkt als Argument enorm ab gegenüber dem Strompreis als Universaltotmacher. Und der sei wegen der EEG-Umlage, da diese ja zugenommen hat, gestiegen. Wachsame Bürger haben erkannt, dass das als Begründung nicht stimmt, da der Preis nach allen Gesetzen des Marktes eigentlich nicht hätte steigen müssen, aber Fakt bleibt, die EEG-Umlage ist gestiegen und das sei – so wird uns eingetrichtert – per se schlecht. Na gut. Warum aber ist sie gestiegen?

Die Antwort ist eigentlich simpel: es gibt zu viel Strom. Denn statt einer Energiewende findet schon länger, mit der beschlossenen Ausweitung der Reststrommengen für Atomkraftwerke verstetigt bis kurz vor den Sanktnimmerleinstag, eine Energieschwemme statt. Denn statt mit jedem Prozent, das Erneuerbare Energien gesichert zum Stromverbrauch beitragen, nach und nach die gefährlichsten der konventionellen Kraftwerke – Atomkraftwerke – aufs Altenteil zu schicken, bleiben sie an ein Netz angeschlossen, das immer weniger Strom von ihnen abnimmt, ihre Reststrommenge also immer langsamer aufbraucht. Das umso stärker, als im Zuge der Wirtschaftskrise der Stromverbrauch auch noch gesunken ist. Wenn die betonierten Sinnbilder menschlicher Hybris, also Atomkraftwerke, den Strom trotzdem reinzuwerfen versuchen oder aus „technischen Gründen“ ins Netz abladen müssen, geht der Strompreis an der Börse eben auf Talfahrt. Dieser Börsenpreis ist es aber, der als Referenz genommen wird, um die EEG-Umlage zu berechnen. Der Netzbetreiber zahlt nämlich nicht in voller Höhe die im Gesetz garantierte Einspeisevergütung an die, die Erneuerbaren Strom einspeisen, sondern nur den Unterschied zwischen Börsenpreis und diesem garantierten Abnahmepreis.

Ist der Strompreis also durch eigentlich unnötige Atomkraftwerksopis im Keller, steigt die Umlage, Ökostrom ist also – jaja, da sieht man wieder einmal – „zu teuer“; ist der Strompreis normal, also nicht durch den Atomschrottstrom gedumpt, meckert keine Sau – außer vielleicht über allgemein (zu) hohe Strompreise.

Atommeiler laufen länger, Strompreis geht in den Keller, EEG-Umlage steigt => „Scheiß teurer Atomstrom, natürlich brauchen wir weiter Atomkraftwerke! Jemand muss die Erneuerbaren aufhalten!“

Atommeiler gehen frühestmöglich vom Netz, Strompreis ist „normal“, EEG-Umlage bleibt (mit der sinkenden Einspeisevergütung für neu installierte Anlagen) annähernd gleich => „Mist, warum ist Strom nur so teuer? Scheiß Energieoligopolistenpack!“

Preisfrage: Warum laufen dank einer schwarz-gelben Regierung also die Atommeiler länger? Will da vielleicht jemand Stimmung machen?


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Offene Standards im Netz der Stromnetze?

Virtuelle Kraftwerke, SchwarmStrom – wie auch immer man nennt, dass die Energieerzeugung der Zukunft vor allem dezentral sein wird, eine der großen Herausforderungen ist plötzlich, die vielen verschiedenen kleinen Kraftwerke zu regeln und auf die Nachfrage abzustimmen. Die Nachfrage ist dabei über intelligente Stromzähler jederzeit nachvollziehbar. Lösen lässt sich das nur, wenn alle diese Teile mitteilen, was sie eben tun und auf Anweisungen reagieren, die eine wie auch immer geartete Steuereinheit ihnen sendet.

Das Stromnetz wird also gleichzeitig ein Datennetz.

Nun ist die Versuchung groß, die Protokolle für dieses Netz geheim zu halten. Muss ja schließlich sicher und 24/7 verfügbar sein, so ein Stromnetz. Das wäre aber ziemlich dämlich. Denn security by obfuscation hat noch nie dauerhaft funktioniert. Bewährt haben sich hingegen offene Standards für Datenübertragung und -verschlüsselung. Also TCP/IP, XML, SSH, SSL, GnuPG und wie sie alle heißen. Und ich meine jetzt nicht irgendwelche Pseudostandards, die nur Standard sind, weil eben halt ursviele damit arbeiten (z.B. DOC für Text), sondern Standards, die öffentlich dokumentiert und diskriminierungsfrei zugänglich und implementierbar sind.

Trifft das für die derzeitigen (Pilot)Projekte für virtuelle Kraftwerke zu? Oder kocht da jeder sein eigenes Süppchen, um z.B. Wettebewerber zu diskriminieren?

Gibt es eine öffentliche Spezifikation zur Kommunikation mit Stromerzeugungs- und -abnahmestellen im Stromnetz?

Update 28. Dezember 2010: Zumindest für die Entnahmeseite, also den Stromzähler beim Stromverbraucher, bin ich fündig geworden, und zwar in einem Positionspapier der Bundesnetzagentur vom 23. Juni 2010 (s. dort Punkt 3.):
„Die Messeinrichtung hat die nachfolgenden Kommunikationswege zu ermöglichen, wobei die hierfür einzusetzende(n) Schnittstelle(n) sowohl hardwareseitig wie auch in Bezug auf das darüber angewendete Datenaustauschprotokoll offengelegten und lizenzfrei verwendbaren Standards zu folgen hat/haben. Hierbei sind insbesondere die Standardisierungsaktivitäten auf europäischer Ebene zu berücksichtigen.“

Ob sich die Hersteller daran bereits halten und welchen Standards sie da genau folgen, wäre die nächste Recherche.


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